In der Reutlinger Oststadt wurde ein Gebäude aus den 1950er-Jahren zu einem städtebaulich präsenten Wohn- und Geschäftshaus transformiert. Der ehemals fragmentierte Gebäudekomplex, über Jahrzehnte genutzt als Autohaus, Bar und Gastronomiebetrieb, wurde zu einem kohärenten Ensemble mit fünf Wohneinheiten und einem Architekturbüro im Erdgeschoss neu geordnet. Das Projekt folgt konsequent dem Leitgedanken „Sanierung statt Neubau“ und versteht den Bestand als Ressource.
Das Büro nutzt die Flächen der ehemaligen Werkstatt im Erdgeschoss. Über den bestehenden Durchgang entsteht ein neu gestalteter Zugang, der zugleich den Eingang zu zwei Wohnungen aufnimmt. Drei weitere Wohneinheiten liegen entlang der Burgstraße und werden über den markanten Rundbau an der Ecke erschlossen.
Besonderes Augenmerk galt der Transformation des Innenhofs: Aus einem versiegelten Hinterhof mit Garagen entstand ein begrünter gemeinschaftlicher Freiraum. Eine Garage wurde zu einem lichtdurchfluteten Besprechungsraum umgebaut, der sich über große Verglasungen direkt zum Hof öffnet.
Neben der baulichen Transformation thematisiert das Projekt die Bedeutung urbaner Nutzungsmischung. Durch die Kombination von Wohnen und Arbeiten bleibt das Gebäude Teil des öffentlichen Lebens im Quartier und stärkt die lebendige Durchmischung der Reutlinger Oststadt.
Mit großer Selbstverständlichkeit führt das Projekt einen heterogenen Bestand in eine neue Zukunft und zeigt die Potenziale des Weiterbauens im innerstädtischen Kontext. Aus einem über Jahre gewachsenen Nebeneinander unterschiedlicher Nutzungen entsteht ein klar gefasstes, lebendiges Ensemble aus Wohnen und Arbeiten. Der prägnante Kopfbau erhält dabei wieder eine städtebauliche Präsenz und der angrenzende Rundbau wird zum verbindenden Element der unterschiedlichen Volumina. Bestehende Strukturen werden nicht überformt, sondern sorgfältig weiterentwickelt und durch gezielte Eingriffe lesbar gemacht. Aus dem ehemals versiegelten Innenhof entsteht ein begrünter gemeinschaftlicher Freiraum, der dem Areal eine neue räumliche Qualität verleiht. Die Verbindung von Ressourcenschonung, Nutzungsmischung und sorgfältiger Transformation macht das Projekt zu einem beispielgebenden Beitrag für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung.