Das „Alte Schulhaus“, 1880 auf den Grundmauern eines Bauernhauses errichtet, diente bis 1973 als Schulhaus, und wurde danach von Vereinen als Probelokal genutzt. Über Jahre blieben notwendige Sanierungsmaßnahmen aus, und der Abbruch des Gebäudes stand bevor. Aus dem Engagement der Dorfgemeinschaft heraus bildete sich schließlich eine ehrenamtliche Projektgruppe, die die Zukunft des Hauses in die Hand nahm. Der Entwurf verfolgt das Ziel, das identitätsstiftende Gebäude in seiner Substanz zu bewahren und zugleich räumlich wie funktional neu zu interpretieren. Der Bestand wurde vollständig entkernt und vom Asbestmantel befreit. Das Erdgeschoss des Altbaus wurde freigestellt und zu einem flexibel nutzbaren Bürgersaal entwickelt. Eine mobile Trennwand ermöglicht die gemeinsame und auch eine separate Nutzung für beide Vereine. Sämtliche dienenden Funktionen wurden in einen Anbau ausgelagert und entlasten damit den historischen Baukörper. Zurückhaltend in Maßstab und Ausdruck, ordnet sich der Anbau dem Bestand unter. Durch seine Position fasst er den Schulplatz räumlich neu und verbessert dessen Aufenthaltsqualität. Ein großzügig verglastes Foyer bildet den neuen Eingang und vermittelt zwischen innen und außen. Die Küche dient als offener, kommunikativer Mittelpunkt. Gezielte Sichtbeziehungen – Einblicke, Ausblicke und Durchblicke – fördern die räumliche Offenheit und Gemeinschaft.
Ein abbruchreifes Gebäude als Herzstück eines Dorfes neu zu denken, verlangt weit mehr als reine funktionale Ertüchtigung – es fordert den Mut zur gesellschaftlichen Aneignung.
Der Entwurf befreit das historische Schulhaus konsequent von den Überformungen vergangener Dekaden. Durch die rigorose Auslagerung der dienenden Funktionen in eine maßstäbliche Ergänzung erhält der Baukörper von 1880 seine ursprüngliche Großzügigkeit zurück. Das neu gefügte Ensemble fasst den Schulplatz und verwandelt ihn in einen qualitätsvollen öffentlichen Raum.
Das eigentliche Phänomen dieses Beitrags liegt in der Symbiose von architektonischem Pragmatismus und gelebter Baukultur: Durch das unermüdliche Engagement der Bürgerschaft entstand ein Identifikationsort von hoher sozialer Tragfähigkeit – ein vorbildlicher Beitrag zur zukunftsfähigen Transformation unseres gebauten Erbes im ländlichen Raum.