Der Neubau des Zentrums für Islamische Theologie auf dem Tübinger Talcampus ergänzt das bestehende Theologikum zu einem deutschlandweit einmaligen, religionsübergreifenden Campus für Theologie. Die Herausforderung bestand darin, den prägnanten Oktogonbau des Theologikums einzubinden und eine einprägsame Adresse auf dem zwischen zwei Erschließungsstraßen stark abfallenden Gelände auszubilden. Der Neubau greift die Orthogonalität der Campusgebäude auf und schreibt mit seinen in den Hang gestaffelten Volumen das durchgrünte Gewebe des Campus fort. Seine Gliederung in Sockel und zwei winkelförmige Flügelbauten gibt dem Oktogonbau Raum und lässt an den Erschließungsstraßen zwei Eingänge entstehen. Die Flügelbauten fassen eine Gemeinschaftsterrasse, die sich zum Grünraum des Stadtfriedhofs und zum Außenbereich des Theologikums öffnet. Dadurch entsteht ein vielfältig nutzbarer Außenraum für den interreligiösen Dialog, den die Cafeteria und die Bibliotheken beider Bauten beleben. Die innere Struktur spannt sich zwischen den zwei Hautzugängen auf. Entlang der Erschließungsachse reihen sich die Seminarräume und die um einen kleinen Lesehof organisierte Bibliothek auf. In den Flügelbauten finden die Verwaltung und die Lehrstühle Platz. Eine einheitliche Klinkerfassade fasst die Gebäudeteile zusammen und gliedert den Neubau mit Bändern aus Fensteröffnungen und Luftmauerwerk.
Der Neubau überzeugt durch seine inhaltliche Bedeutung. Mit ihm wird das bestehende Theologikum zu einem religionsübergreifenden Campus weiterentwickelt, der dem akademischen und interreligiösen Austausch Raum bietet. Die Einfügung in die Topografie gelingt präzise: Durch die Staffelung der Baukörper und die Gliederung in einen Sockel sowie zwei winkelförmige Flügel wird die Maßstäblichkeit des Campus aufgenommen und zugleich dem Oktogonbau des Theologikums der notwendige Raum gelassen. Der Neubau behauptet eine eigene Identität, ohne in Konkurrenz zum Bestand zu treten.
Die innere Erschließungsachse verbindet die wesentlichen Nutzungen klar. Seminarräume, Bibliothek, Verwaltung und Lehrstühle sind funktional organisiert und ermöglichen Arbeiten, Begegnung und Austausch. Von besonderer räumlicher Qualität ist die zwischen den Flügelbauten gefasste Gemeinschaftsterrasse. Sie öffnet sich zum Grünraum und zum Außenbereich des Theologikums und bildet einen verbindenden Ort.
Die einheitliche Klinkerfassade verleiht dem Ensemble Ruhe, Dauerhaftigkeit und angemessene Präsenz. Fensterbänder und Mauerwerk differenzieren die Baukörper und geben der Fassade Tiefe und Lebendigkeit. Insgesamt ist ein eigenständiger und respektvoll eingefügter Bau entstanden, der die Topografie souverän bewältigt und die Idee des interreligiösen Dialogs in Räume der Begegnung und des Lernens übersetzt.