Neubau Museum Historische Oberamteistraße
Reutlingen

Architekturbüro
wulf architekten
Stuttgart
www.wulfarchitekten.com
Bauherr
Stadt Reutlingen
Reutlingen
Auszeichnung
2026
Sachgruppe
Kulturzentren, Museen, Gemeindezentren
Kreisgruppe
Neckar - Alb
Jahr der Fertigstellung
2025
Beschreibung
Beschreibung

Die historische Häuserzeile Oberamteistraße 28-32 und der Keller des 1972 abgebrochenen »Steinernen Hauses« auf dem Grundstück Nr. 34 zählen zu den ältesten Fachwerkhäuserzeilen Süddeutschlands und spiegeln die Bau- und Wohnkultur seit dem Mittelalter authentisch wider. Die denkmalgerechte Sanierung umfasst die Instandsetzung der Altbauten sowie einen Neubau an der Stelle des nicht mehr vorhandenen Eckhauses. Das Ensemble dient als Museum, wobei die Altbauten selbst das Exponat sind. Der 2025 fertiggestellte Neubau ermöglicht die barrierefreie Erschließung der Altbauten und bietet Raum für verschiedene Veranstaltungsformate, Begegnungen, Kreativität und Austausch.
Die innere Struktur besteht aus einem mit heimischem Holz gefertigten Fachwerk, das die angrenzende, umsturzgefährdete Häuserzeile abstützt und dabei das verlorene Volumen des historischen Hauses nachbildet. Die Dach- und Fassadenflächen sind mit einer homogenen Schicht aus gussgläsernen Biberschwanzziegeln bekleidet. Je nach Lichteinfall, Reflexion und innerer Beleuchtung ist das dahinter liegende hölzerne Fachwerk mehr oder weniger sichtbar, das Gebäude wirkt durchscheinend, wie eine Chimäre. Der Neubau zeichnet sich durch ein geometrisch-hochkomplexes Tragwerk aus. Architektonische Anforderungen und konstruktive Logik greifen präzise ineinander und folgen einer klaren funktionalen Gliederung.

Würdigung
Würdigung

Es ist reich an Lehre und zugleich reich an Leere. Lehrreich ist der Neubau für das Museum Historische Oberamteistraße in Reutlingen, weil er sehr geschichtsbezogen ist: Er entstand an jener Stelle, an der sich einst das Eckhaus einer der ältesten zusammenhängenden Fachwerkhäuserzeilen Süddeutschlands befand. Und reich an Leere ist das neue Gebäude auch, weil es den Mut hat, schlicht leer und keiner bestimmten Funktion unterworfen zu sein: Das Ensemble dient als Museum, seine Exponate sind die Altbauten selbst. Der Neubau bietet zudem Raum für verschiedene Veranstaltungsformate – Begegnungen, Kreativität und Austausch. Mit seiner Hülle aus 28.851 gläsernen Biberschwanzziegeln umschließt das Haus das mächtige Fachwerkkonstrukt. Das Gebäude erinnert an das Steinerne Haus, ein mittelalterliches Bauwerk, das dort 1972 abgerissen wurde: Der Neubau bildet dessen Kubatur nach, stellt damit den Verlust der Historie dar und konturiert das Verlorene städtebaulich. Trotz der verschwommenen Umrisse ist das Gebäude so mutig wie kraftvoll in seiner Aussage, wie es wohl kein anderes an dieser Stelle sein könnte.

Projektbeteiligte
Projektteam
Stephan Burger (Projektleitung), Philipp Stute (stellv. Projetleitung/Bauleitung), Nicole Cao, Antonia Dürig, Hannah Esch, Junjie Long, Michael Mayer, Kübra Mercan, Damla Mi
Weiteres Architekturbüro
Ingenieurbüro Grau, Bietigheim-Bissingen
Tragwerksplanung
Str.ucture, Stuttgart
Haustechnik
Ingenieurbüro für Versorgungstechnik Klaus Wienand, Reutlingen
Elektro
Köhler, Leonberg
Bauphysik
Kurz und Fischer, Winnenden
Brandschutz
Brandschutz Consulting, München
Landschaftsarchitektur
Bäuerle Landschaftsarchitektur + Stadtplanung, Stuttgart
Projektsteuerung
Hitzler Ingenieure, Stuttgart
Aufzugsplanung
planR, Ditzingen
Museumsgestaltung
Demirag Architekten, Stuttgart
Standort
Oberamteistraße 34, 72764 Reutlingen
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