Zielsetzung des Entwurfes ist es, mit wenigen behutsamen Gesten eine neue Verbindung von historischen Fragmenten, gegenwärtiger Nutzung des Areals und zukünftigen Entwicklungspotenzialen zu schaffen. Das historisch gut dokumentierte Klosterareal dient als gedankliche Basis, um eine Kontinuität der Nutzungen sowie auch der baulichen Formen zu erreichen.
Auf dem Grundstück sind die Mauer an der Nordseite mit dem Sprechgitter und die historische Kirche erhalten. Die Kirche ist auf der Ostseite wegen eines Teilabbruchs nicht mehr vollständig erhalten. Das neue Gebäude schließt die Lücke der Klostermauer zur Kirche und wird in den Klostergarten eingebunden. Der Verlauf der historischen Klostermauer und die Struktur der verbliebenen Gebäude werden für die Platzierung des neuen Veranstaltungsraums aufgenommen. Der Raum öffnet sich zum Klostergarten hin, der so in seiner Größe erhalten bleibt. Die Bühne steht wie die anderen Nebengebäude außerhalb der alten Klostermauer. Hier spürt man die Fortschreibung der Geschichte durch Analogien und Metaphern, denn wie beim historischen Sprechgitter wird auch hier von außerhalb der Mauer ins Kloster hineingesprochen. Die Fortführung der Klostermauer um den neuen Raum herum endet in einem Treppenturm. Dieser interpretiert die abgebrochene Apsis mit Dachreiter und Glockenturm und zeichnet ein Bild der Vergangenheit in die Gegenwart.
Früher schweigende, in Armut lebende Klarissinnen, heute plaudernde, Kultur und gutes Essen genießende Menschen – kann das zusammengehen? Sehr gut sogar. Das zeigt das Büro Bamberg Architektur aus Pfullingen am Kulturhaus Klosterkirche. Fast demütig und zugleich selbstbewusst haben die Architekten die Geschichte des Ortes erfasst und in Gegenwart und Zukunft übertragen. Das Kulturhaus greift Materialität und Formensprache der alten Gemäuer auf und verbindet sie mit einer neuen Funktion, ohne bloßes Abbild zu sein. Dezente Farbunterschiede bei den Ziegeln und bewusste Gegenbewegungen zu ursprünglichen Formen schaffen ein klares, modernes und eigenständiges Gebäude, das die Würde des alten Klosters noch stärker zur Geltung bringt.
Der Verlauf der historischen Klostermauer und die Struktur der verbliebenen Gebäude bestimmen die Platzierung des neuen Veranstaltungsraums. Das Gebäude schließt die Lücke zwischen Klostermauer und Kirche und wird in den Klostergarten eingebunden. Hier kann man unter anderem kirchlich heiraten und anschließend im Veranstaltungsraum oder Garten feiern – dort, wo noch das alte Sprechgitter steht. Was für Geschichten könnten diese Gitter wohl erzählen, wenn sie sprechen könnten? Das Kulturhaus sorgt dafür, dass noch viele weitere dazukommen.