Im Zuge einer Mehrfachbeauftragung war es der Wunsch der Stadt Rottenburg am Neckar, das Angebot von Unterbringungen für die Geflüchteten qualitativ und quantitativ zu verbessern. Das Grundstück liegt südlich, direkt an den Neckar angrenzend, am Rande des Gewerbegebiets Siebenlinden in Rottenburg am Neckar, gut angebunden an die Innenstadt, die mit dem Fahrrad gut zu erreichen ist.
Mit dem 1. BA entstand ein reduzierter, kompakter, längsorientierter, dreigeschossiger und gut proportionierter Baukörper in Holzrahmenbauweise mit flachem Satteldach, das nahezu vollflächig mit PV-Paneelen belegt ist. Eine Luft-Wärme-Pumpe, die bereits für alle drei Bauabschnitte ausgelegt und entsprechend im Außenraum positioniert wurde, liefert die erforderliche Wärmeenergie für das Gebäude. Die insgesamt elf Wohneinheiten für Familien, Wohngemeinschaften und Einzelbewohner werden von der Siebenlindenstraße im Norden über offene Laubengänge erschlossen. Zusammen mit der hellen, freundlichen Farbgebung entsteht ein eigenständiger, einladender Charakter mit möglichen Treffpunkten der Bewohner*innen sowie Durchblicken zum Neckar. Auf der Südseite konnten die ortsbildprägende, stark bewachsene Böschung am Neckar und der alte Baumbestand erhalten werden. Der Kinderspielplatz wurde unter der großen Linde platziert.
Das Projekt überzeugt durch die klare architektonische Haltung und gelungene Verbindung von sozialer Verantwortung, Wirtschaftlichkeit und räumlicher Qualität. Der kompakte Baukörper fügt sich selbstverständlich in die besondere Lage zwischen Hauptstraße und Neckarlandschaft ein. Die reduzierte Formensprache und angemessene Materialisierung verleihen dem Gebäude eine ruhige, eigenständige Präsenz. Der offene Laubengang zum Straßenraum dient nicht nur der Erschließung, sondern schafft informelle Begegnungsräume sowie Aus- und Durchblicke zum Neckar. So entsteht trotz der kompakten Bauweise ein freundliches, gemeinschaftlich geprägtes Wohnumfeld. Die helle Farbgebung unterstützt den einladenden Charakter und vermittelt den Bewohnenden Wertschätzung und Zugehörigkeit. Unterschiedliche Wohnungsangebote ermöglichen eine flexible und bedarfsgerechte Nutzung. Das Gebäude zeigt, dass Unterkünfte für geflüchtete Menschen nicht auf funktionale Versorgung reduziert werden müssen, sondern mit architektonischer Sorgfalt und hoher Aufenthaltsqualität gestaltet werden können. Der Erhalt der bewachsenen Neckarböschung und des alten Baumbestands bindet das Gebäude selbstverständlich in den Landschaftsraum ein. Insgesamt ist ein unprätentiöses, sorgfältig entwickeltes Gebäude entstanden, das mit einfachen Mitteln eine hohe räumliche, soziale und atmosphärische Qualität erreicht.