Durch ein ausgeklügeltes Zusammenspiel von lokalen Materialien und Ressourcen, dem integrierten, technikreduzierten Gebäudekonzept und dem fein austarierten Grundriss verfolgt das Wohnhaus konsequent eine nachhaltige Bauweise. Exemplarisch zeigt es, wie Wohnhäuser zukunftsfähig, robust, wartungsarm und ressourcenschonend entwickelt werden können. Die engen Vorgaben des Bebauungsplans führten zu einer präzisen Setzung, die genutzt wurde, um rund um das Haus vielfältige Situationen zu entwickeln: Werkhof, Garten- und Nutzbereiche, eine zentrale Südterrasse mit Außenküche sowie intime Aufenthaltsorte. An allen Seiten angebaute, ungedämmte Nebenräume und überdachte Bereiche, wie Carport, Lager, Werkstatt werden durch ein weit heruntergezogenes Dach zu einem ressourcenschonenden Ganzen zusammengefasst. Ein L-förmiger Grundriss, diagonale Blickbeziehungen, fließende Übergänge und variierende Raumhöhen erzeugen eine vielschichtige Wohnlandschaft, die sich zur Terrasse öffnet und innen und außen zu einem zusammenhängenden Lebensbereich verbindet. Räumliches Rückgrat ist eine winkelförmige Stampflehmwand aus dem Aushubmaterial. Sie strukturiert den Grundriss und optimiert als thermischer sowie hygroskopischer Speicher das Raumklima. Die innovative Stampflehm-Wendeltreppe führt in eine intime Rückzugswelt mit drei unterschiedlich gestalteten Zimmern aus sichtbar belassenem Holz.
Trotz aller gesellschaftlichen Debatten hat der Traum vom Einfamilienhaus im Grünen nichts von seiner Strahlkraft verloren. Statt die Typologie pauschal zu verwerfen, gilt es daher, zeitgemäße Antworten zu entwickeln – mit ortsspezifischen Lösungen, nachhaltigen Materialien und intelligenten Grundrissen.
Das Gebäude steht auf einem schmal bemessenen Eckgrundstück, eingeklemmt zwischen erwartbaren Einfamilienhausträumen der Nachbarn. Aus den engen Baulinien haben die Architekten ein Maximum an Raum entwickelt – nicht nur innen, sondern vor allem auch drumherum. Der komplex gegliederte Baukörper lässt auf dem kleinen Grundstück unterschiedlichste Außenbereiche entstehen: einen Werk- und Fahrzeughof, einen kleinen Nutzgarten mit vergnügt schnatternden Enten, eine Terrasse mit großer Außenküche sowie einen geschützten Freisitz mit kreisrundem Wasserbecken, der den Blicken der Nachbarn entzogenen ist.
Diese Vielschichtigkeit setzt sich im Innern nahtlos fort. Geborgen sind die Räume unter dem großen und hohen Dach eines „Schwarzwaldhauses“, das an manchen Stellen fast den Boden zu berühren scheint. Der Massivholzbau ist bewusst nach Low-Tech-Prinzipien und mit regionalen Baustoffen konstruiert. Ortsspezifisch, nachhaltig und räumlich durchdacht – so geht das Einfamilienhaus des 21. Jahrhunderts!