Das soziale Quartier Schlichtergasse verbindet Sanierung und Nachverdichtung im Bestand mit dem Ziel, sozial-integrativen Wohnraum zu schaffen. Drei Bestandsgebäude wurden umfassend saniert und durch fünf Neubauten ergänzt. Insgesamt 111 Wohneinheiten, davon 54 sanierte und 57 neu errichtete Wohnungen sowie weitere quartiersbildende Funktionen wie ein Gemeinschaftsraum, eine Notschlafstelle, ein Hausmeisterbüro, ein Vierseithof und hochwertige Außenräume finden im Quartier Platz.
Die Neubauten greifen beide im Gebiet vorhandenen Gebäudeausrichtungen auf. Dadurch entstehen gefasste Außenräume mit definierter Raumkante. Die klare Zonierung der Freiräume schafft gemeinschaftlich, aber auch privat nutzbare Außenräume für alle Bewohner*innen. Die Neubauten ermöglichen durch eine optimierte Grundrissorganisation bezahlbares und zugleich qualitätvolles Wohnen. Auf reduzierten Wohnflächen werden höhere Raumangebote realisiert, indem mehr Zimmer auf kleinerer Fläche untergebracht werden. In diesem Quartier haben Alleinerziehende sowie andere gut integrierte Haushalte mit kleinen Einkommen und Personen mit Integrations- und Wohndefiziten ihren Platz. Trotz unterschiedlicher Nutzungsanforderungen und Wohnformen weist das Quartier ein einheitliches architektonisches Erscheinungsbild auf, das sich selbstverständlich und städtebaulich angemessen in die bestehende Nachbarschaft einfügt.
Wohnen für schlechter gestellte Menschen muss nicht im Widerspruch zu guter Gestaltung stehen. Das beweist das Projekt „Soziales Wohnen Schlichtergasse“ in Lörrach am Rande einer Arbeitersiedlung und Zeilenbauten aus der Nachkriegszeit. Ambitionierte Architektur erweist sich hierbei als Schnittstelle für gemeinschaftliches Handeln ganz unterschiedlicher Akteure: der Stadt Lörrach, der Städtischen Wohnbaugesellschaft und der Wohnungslosenhilfe. Dieser soziale Mehrwert entsteht kostengünstig dank einer ausgewogenen Bestandspflege (die nicht Gegenstand dieses Verfahrens war) und einer städtebaulichen Nachverdichtung auf bereits vorhandenen oder durch Abbruch frei gewordenen Flächen.
Fünf Wohnhäuser gruppieren sich um einen neuen Quartiersplatz. Der Verzicht auf eine Tiefgarage erlaubt eine echte Begrünung, Mietergärten sorgen für einen organischen Übergang von privaten zu öffentlichen Bereichen. Optimierte Grundrisse bringen bei den förderfähigen Wohnungsgrößen jeweils ein zusätzliches Zimmer unter. So wird die Anlage zu einer attraktiven Wohnadresse für Alleinstehende, Alleinerziehende oder Menschen mit wenig Geld. Etwas abgesetzt befindet sich ein Gebäude eigens für Wohnsitzlose, die mit Betreuung wieder an ein Leben in der Gemeinschaft herangeführt werden. Dass ausgerechnet diese Bewohner den Blick auf den Fluss Wiese genießen, steht für das Selbstverständnis dieses Projekts.