Stadthäuser Beznerareal

Auszeichnungsjahr · 2020
Standort · Holbeinstraße 32
88212 Ravensburg
Architekt · bächlemeid architekten stadtplaner bda Karin Meid-Bächle und Martin Bächle (www.baechlemeid.de)
Bauherr · Reisch Projektentwicklung GmbH & Co. KG
Fotograf · Roland Halbe

Würdigung der Jury

Typologisch betrachtet handelt es sich schlicht um eine Reihenhauszeile mit drei Wohneinheiten. Die kubische Ausformulierung eines homogen erscheinenden
Baukörpers mit seinen spielerischen Ziegelbögen im Sockelbereich sucht diese Begrifflichkeit gekonnt urban umzuinterpretieren. Die Stadthäuser im Beznerareal verdeutlichen das Anliegen des Hugo Häring Auszeichnungsverfahrens nämlich die gelungene Zusammenarbeit von Bauherr und Architekt. Umso schlüssiger, wenn die Bauherrschaft außerdem „vom Fach“ ist und umso schöner, zu erkennen, daß wir in unserer gebauten Umwelt nicht nur auf Fassaden blicken müssen, die uns von ihrer Renditeoptimierung erzählen ein Glücksfall also! Ein Glücksfall aber auch, daß die Architekten dieser Konstellation der nötigen Haltung mehr als gerecht werden. Die Material und Formenwahl fügt sich ohne Anbiederung ins historische Fabrikareal als Pendant zum Beznerturm und verspricht Dauerhaftigkeit und würdige Alterung. Architektur, als wäre sie schon immer dagewesen. Raffiniert formulierte, bogengefasste Eingangsnischen verleihen der Erdgeschoßfassade Plastizität und erlauben, neben einem geschützten Eingangsbereich Kommunikation und Privatheit gleichermaßen. Die Wohnungen sind bei ihrer schmalen Anordnung im kompakten Volumen über Lufträume und Oberlichter klug geschnitten und ergeben eine lichte und großzügige Wohnatmosphäre. Ausgesucht schlanke Fensterprofile, Sichtbeton mit perfektem Schalbild, sorgfältig geplante Schreinereinbauten und ein wertiger Holzdielenbelag lassen auch im Inneren den hohen Anspruch der Verantwortlichen erkennen. Jede Wohnung mündet im Obergeschoß in eine angemessen dimensionierte Terrasse, die quasi wie nebenbei die
Tiefgargenabfahrt elegant überbaut. Man darf erwarten, daß hier Häuser entstanden sind, die die Halbwertszeit des üblichen Wohnungsbaus bei weitem übertreffen. Im Sinne gelungener Nachverdichtung wurde hier ein „sozialer Mehrwert“ geschaffen, nicht nur für die Bewohner, sondern für das ganze Areal und für die gesamte Stadt.

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